Rentenlücke kurz vor der Rente: So liest du deine Renteninformation und rechnest die Lücke aus
Mit 55 oder 60 wird die Rentenlücke konkret. Aus den drei Zahlen deiner Renteninformation rechnest du in fünf Schritten aus, was dir monatlich fehlen wird – mit Beispielen für Rente mit 63, 65 und 67, für Paare und die wichtigsten Sonderfälle.

Mit Mitte 50 ändert sich der Blick auf die Rente: Aus „irgendwann“ wird „in zehn Jahren“. Die gute Nachricht: Du hast jetzt die besten Daten, die es gibt. Deine Renteninformation kommt jedes Jahr mit der Post, die Beitragsjahre sind größtenteils gesammelt, und es gibt nur noch wenige Unbekannte. Die schlechte Nachricht: Die Zahl, die dort groß gedruckt steht, ist nicht das Geld, das du bekommst. Dieser Beitrag zeigt, wie du aus der Renteninformation deine echte Nettorente machst, sie mit deinem Bedarf vergleichst und die Lücke beziffern kannst – mit drei Beispielen und den Entscheidungen, die jetzt noch Hunderte Euro im Monat ausmachen.
Die drei Zahlen deiner Renteninformation
Ab 27 Jahren und fünf Beitragsjahren schickt dir die Deutsche Rentenversicherung jährlich die Renteninformation. Darin stehen drei Beträge – und alle drei sind brutto:
- Rente wegen voller Erwerbsminderung: Was du bekämst, wenn du ab heute nicht mehr arbeiten könntest.
- Bisher erreichte Rentenanwartschaft: Deine Regelaltersrente, wenn ab heute keine Beiträge mehr dazukämen. Das ist die sicherste Zahl.
- Hochrechnung bis zur Regelaltersgrenze: Die Anwartschaft plus die Annahme, dass du bis 67 so weiterzahlst wie im Schnitt der letzten fünf Jahre. Diese Zahl wird zweimal genannt – ohne und mit angenommener Rentenanpassung von 1 % bzw. 2 % pro Jahr.
Die Logik dahinter: Für jedes Jahr, in dem du genau das Durchschnittsentgelt verdienst (2026: 51.944 €), bekommst du einen Entgeltpunkt. Jeder Punkt ist aktuell 42,52 € Monatsrente wert. Wer 45 Jahre lang durchschnittlich verdient hat, kommt auf 45 Punkte und rund 1.913 € brutto – die oft zitierte „Standardrente“.
In fünf Schritten zur Rentenlücke
Schritt 1: Bruttorente zum geplanten Rentenbeginn
Nimm die Hochrechnung aus der Renteninformation – oder rechne selbst: bisherige Punkte plus künftige Punkte (Jahresbrutto ÷ 51.944 € pro Jahr), mal 42,52 €. Planst du, vor 67 zu gehen, fehlen die Punkte der letzten Jahre.
Schritt 2: Abschlag abziehen
Für jeden Monat, den du vor deiner Regelaltersgrenze in Rente gehst, werden 0,3 % dauerhaft abgezogen. Rente mit 63 statt 67 heißt 48 Monate × 0,3 % = 14,4 % weniger – lebenslang. Ausnahme: die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren, deren Altersgrenze für Jahrgang 1964 und jünger bei 65 liegt.
Schritt 3: Netto rechnen
Von der Bruttorente gehen Kranken- und Pflegeversicherung ab: Der halbe Krankenkassenbeitrag (rund 8,5 % inklusive Zusatzbeitrag) und der volle Pflegebeitrag (3,6 %, kinderlos 4,2 %) – zusammen gut 11 bis 12 %. Dazu kommt die Einkommensteuer: Wer 2026 in Rente geht, muss 84 % seiner Rente versteuern (der Anteil steigt pro Jahr um 0,5 Punkte). Bei einer Rente um 1.600 € zahlt ein:e Alleinstehende:r meist noch wenig bis keine Steuer, bei 2.400 € sind es schnell über 100 € im Monat. Faustwert für die Modellrechnung: 89 % der Bruttorente bleiben netto – genau so rechnet der Rentenlücken-Rechner.
Schritt 4: Wunsch-Einkommen festlegen
Viele kommen im Ruhestand mit 80 % des heutigen Nettos aus. Prüfe das für dich mit deinen echten Ausgaben: Kredit abbezahlt? Pendeln entfällt? Dafür mehr Reisen, höhere Gesundheitskosten, vielleicht Hilfe im Haushalt. Je näher die Rente, desto genauer kennst du diese Zahl.
Schritt 5: Inflation einrechnen
Die Rente wird jährlich angepasst, aber nicht zwingend so stark wie die Inflation. Der Rechner nimmt konservativ 1,1 % Rentenanpassung bei 2 % Inflation an. Über neun Jahre verliert die Rente damit rund 8 % Kaufkraft – in heutigen Euro ist die Lücke also größer, als die reine Brutto-Netto-Rechnung zeigt.
Beispiel 1: Sabine, 58, Rente mit 67
Sabine verdient 4.200 € brutto, hat 35 Beitragsjahre und plant die reguläre Rente mit 67. Ihre Renteninformation nennt 34,0 Entgeltpunkte.
| Entgeltpunkte bisher | aus der Renteninformation | 34,0 |
| Entgeltpunkte bis 67 | 9 Jahre × (50.400 € ÷ 51.944 €) | 8,7 |
| Rente brutto | 42,7 Punkte × 42,52 € | 1.815 € |
| Rente netto | × 89 % (KV/PV, Steuer) | 1.616 € |
| Netto heute | 4.200 € × 65 % | 2.730 € |
| Wunsch-Einkommen | 80 % vom Netto | 2.184 € |
| Rentenlücke nominal | 2.184 € − 1.616 € | 568 € / Monat |
| Rente in heutiger Kaufkraft | × 0,923 (9 Jahre Anpassung < Inflation) | 1.492 € |
| Rentenlücke real | 2.184 € − 1.492 € | 692 € / Monat |
Rund 692 € im Monat in heutiger Kaufkraft. Um diesen Betrag dauerhaft aus Vermögen zu entnehmen (3,5 % im Jahr), bräuchte Sabine mit 67 etwa 237.350 €. Hat sie 100.000 € angespart, decken die bei 3,5 % Entnahme rund 292 € im Monat – die Lücke schrumpft, verschwindet aber nicht.
Beispiel 2: Michael, 61, Rente mit 63 oder 65?
Michael (Jahrgang 1965) verdient 3.000 € brutto und hat 44 Beitragsjahre. Mit 63 hätte er 46 Jahre zusammen – die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte gibt es für seinen Jahrgang aber erst mit 65. Mit 63 bleibt nur die Rente für langjährig Versicherte, mit 14,4 % Abschlag.
| Rente mit 63 | Rente mit 65 | |
|---|---|---|
| Entgeltpunkte | 31,9 | 33,3 |
| Rente brutto vor Abschlag | 1.356 € | 1.414 € |
| Abschlag | 48 Monate × 0,3 % = 14,4 % | 0 % (45 Jahre) |
| Rente brutto | 1.160 € | 1.414 € |
| Rente netto (89 %) | 1.033 € | 1.259 € |
| Wunsch-Einkommen (80 % von 1.950 €) | 1.560 € | 1.560 € |
| Rentenlücke | 527 € | 301 € |
Zwei Jahre früher kosten Michael 226 € netto im Monat – für den Rest seines Lebens. Dafür bekommt er zwei Jahre früher überhaupt Rente. Rein rechnerisch gleicht sich das erst nach rund 20 Rentenjahren aus; wer lange lebt, verliert mit dem frühen Start.
Abschlag ausgleichen: die Sonderzahlung
Ab 50 kannst du Abschläge durch freiwillige Sonderzahlungen an die Rentenversicherung ausgleichen (§ 187a SGB VI). Für Michael kostet der Ausgleich der 14,4 % – immerhin 195 € Bruttorente im Monat – grob 45.000 bis 50.000 €. Die Zahlung ist als Altersvorsorgeaufwand steuerlich absetzbar und oft günstiger als ein vergleichbares Privatprodukt. Die Rentenversicherung rechnet dir den genauen Betrag auf Antrag aus.
Beispiel 3: Anja und Jens – die Lücke als Paar
Anja (60, 2.800 € brutto, 30 Beitragsjahre mit Teilzeitphasen) und Jens (62, 5.500 € brutto, 40 Beitragsjahre) wollen beide mit 67 in Rente. Als Paar zählt das gemeinsame Haushaltseinkommen.
| Anja: Rente brutto / netto | 23,9 Punkte × 42,52 € → × 89 % | 1.018 € / 906 € |
| Jens: Rente brutto / netto | 57,2 Punkte × 42,52 € → × 89 % | 2.431 € / 2.164 € |
| Haushaltsnetto heute | 8.300 € × 65 % | 5.395 € |
| Wunsch-Einkommen | 80 % vom Haushaltsnetto | 4.316 € |
| Rentenlücke des Paares | 4.316 € − 906 € − 2.164 € | 1.247 € / Monat |
Fast 1.247 € fehlen dem Paar – und das ohne Inflationseffekt. Wichtiger Zweitblick: Was passiert, wenn Jens stirbt? Anja bekäme als Witwenrente 55 % von Jens’ Rente (rund 1.337 € brutto), eigenes Einkommen wird oberhalb eines Freibetrags angerechnet. Selbst wenn ihr Bedarf allein auf 60 % des Paar-Wunsches sinkt, bleibt eine Lücke von rund 494 € – mit deutlich weniger Spielraum. Der Rentenlücken-Rechner hat dafür einen Paar-Modus.
Sonderfälle, die kurz vor der Rente entscheiden
Rente mit 63 nach 45 Jahren – für wen gilt das noch?
Die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte heißt umgangssprachlich „Rente mit 63“, gilt aber nur für Jahrgänge bis 1952. Die Grenze steigt pro Jahrgang um zwei Monate; für 1964 und jünger liegt sie bei 65. Prüfe in der Renteninformation, ob dir 45 Jahre an Wartezeit angerechnet werden – Kindererziehung, Pflege, Arbeitslosengeld I und freiwillige Beiträge zählen mit, Arbeitslosengeld II / Bürgergeld und Studium nicht.
Hinzuverdienst
Seit 2023 gibt es bei Altersrenten keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Wer mit 63 in Rente geht und nebenbei arbeitet, zahlt aber weiterhin Rentenbeiträge – die erhöhen die Rente jährlich zum 1. Juli. Steuerlich kann der Hinzuverdienst die Rente teurer machen, weil beides zusammen versteuert wird.
Lücken im Versicherungsverlauf
Fordere vor dem Rentenantrag eine Kontenklärung an. Fehlende Zeiten (Ausbildung, Auslandsjahre, Kindererziehung, Pflege) kosten Punkte oder Wartezeitmonate. Gerade bei den 45 Jahren entscheidet oft ein einzelnes fehlendes Jahr.
Betriebsrente wird doppelt belastet
Auf Betriebsrenten zahlst du den vollen Kranken- und Pflegebeitrag (rund 19 %), auf den Teil oberhalb eines Freibetrags von rund 190 € im Monat. Von 500 € Betriebsrente bleiben vor Steuern also rund 440 €. In der Lückenrechnung gehört sie als eigener Baustein hinein – der Rechner fragt sie unter „weitere Vorsorge“ ab.
Grundrente und Grundsicherung
Wer mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten hat, aber unterdurchschnittlich verdient hat, bekommt automatisch einen Zuschlag – das wird geprüft, ohne Antrag. Reicht die Rente trotzdem nicht fürs Existenzminimum, gibt es Grundsicherung im Alter; sie wird aber mit fast allem anderen Einkommen verrechnet.
Erwerbsminderung vor der Rente
Wer vor 67 krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten kann, bekommt eine Erwerbsminderungsrente mit Zurechnungszeit (als hättest du bis 66 weitergezahlt) – aber mit bis zu 10,8 % Abschlag. Die erste Zahl deiner Renteninformation zeigt, wie viel das wäre.
Welche Hebel jetzt noch wirken
- Länger arbeiten – auch in Teilzeit. Jedes Jahr über 67 bringt 6 % Zuschlag plus neue Punkte. Ein Jahr länger kann die Rente um 7 bis 8 % erhöhen.
- Sonderzahlungen ab 50 gleichen Abschläge aus und sind steuerlich absetzbar (siehe oben).
- Erspartes richtig einplanen: Jede 100.000 € liefern bei 3,5 % Entnahme rund 292 € im Monat, inflationsbereinigt über einen langen Ruhestand.
- Vermietete Immobilie: Wer mit Mitte 50 noch zehn Jahre Arbeitseinkommen hat, kann eine Wohnung so finanzieren, dass die Nettomiete im Ruhestand als zweite Rente läuft – und in den Jahren bis dahin die Steuerlast senkt. Der Rechner simuliert das mit echter Tilgung und Restschuld bei Rentenbeginn.
Deine Rentenlücke in zwei Minuten
Trage die Werte aus deiner Renteninformation direkt im kostenlosen Rentenlücken-Rechner ein – oder lass sie per Foto einlesen. Du siehst deine Lücke in heutiger Kaufkraft, wie viel Erspartes und Sparrate decken, und ob eine vermietete Immobilie sie schließt. Mit Paar-Modus.
Jetzt Rentenlücke berechnen →Immobilie als Baustein? Erst die Steuer rechnen
Der Steuervorteil-Rechner zeigt dir Jahr für Jahr, wie viel Steuern eine vermietete Wohnung spart – lineare, degressive und Sonder-AfA im Vergleich, inklusive Cashflow nach Steuern und Restschuld bei Rentenbeginn.
Steuervorteil berechnen →Häufige Fragen
Ist die Hochrechnung in der Renteninformation realistisch?
Sie unterstellt, dass du bis 67 so weiterverdienst wie im Schnitt der letzten fünf Jahre – ohne Lohnerhöhung, ohne Arbeitslosigkeit, ohne frühere Rente. Als Richtwert gut, aber: brutto, ohne Steuer, und je nach Variante ohne Anpassung. Rechne immer netto und in heutiger Kaufkraft.
Wie hoch ist die Steuer auf meine Rente wirklich?
Das hängt vom Rentenbeginn (Besteuerungsanteil), der Rentenhöhe und weiteren Einkünften ab. Alleinstehende mit 1.500 € Rente und nichts sonst zahlen 2026 praktisch keine Steuer. Mit 2.500 € Rente plus Betriebsrente oder Mieteinnahmen kommst du schnell auf 100 bis 200 € im Monat. Die 89 %-Faustregel deckt den Durchschnitt ab; im Rechner kannst du den Steuersatz im Alter anpassen.
Lohnt es sich, Beiträge nachzuzahlen?
Freiwillige Beiträge (für fehlende Zeiten oder zum Ausgleich von Abschlägen) sind in der Regel günstiger als private Rentenversicherungen und steuerlich absetzbar. Ab etwa 50 lohnt sich ein Beratungstermin bei der Rentenversicherung – kostenlos.
Warum rechnet der Rechner mit Rentenanpassung unter der Inflation?
Weil es konservativ ist. In den letzten 20 Jahren lagen die Anpassungen in einigen Jahren deutlich über, in anderen deutlich unter der Inflation. Wer vorsichtig plant, geht von einem leichten Kaufkraftverlust aus und freut sich, wenn es besser kommt.
Hinweis: Alle Zahlen sind vereinfachte Modellrechnungen mit den Annahmen des Rentenlücken-Rechners (Stand 2026: Rentenwert 42,52 €, Durchschnittsentgelt 51.944 €, Inflation 2 %, Rentenanpassung 1,1 % pro Jahr). Sie ersetzen keine Renten-, Steuer- oder Anlageberatung. Deine Renteninformation, Versorgungsauskunft bzw. Standmitteilungen sind immer die bessere Grundlage – trage ihre Werte im Rechner ein.
Das könnte dich auch interessieren

Rentenlücke für Selbstständige: So rechnest du ohne gesetzliche Rente deinen Bedarf im Alter aus
Ohne Arbeitgeber, ohne Pflichtbeiträge: Selbstständige müssen ihre Altersvorsorge komplett selbst bauen – und die Krankenversicherung im Alter gleich mit. In drei Beispielen (Freiberuflerin, Handwerksmeister, IT-Beraterin) rechnen wir die Lücke, das nötige Kapital und die Sparrate aus.
Weiterlesen →
Rentenlücke für Beamte: So berechnest du deine Pensionslücke Schritt für Schritt
Beamte bekommen Pension statt Rente – und trotzdem fehlt im Ruhestand oft Geld. Mit Formel, drei durchgerechneten Beispielen und den wichtigsten Sonderfällen: Antragsruhestand, Teilzeit, Quereinstieg, Mindestversorgung.
Weiterlesen →